Das Elfmetertor der Kapitänin reicht nur zu einem 1:1 gegen Saarbrücken. Damit zog Turbine Potsdam am bisherigen Tabellenführer vorbei.
Sympathie für einen Außenseiter zu empfinden, ist für sich genommen kein schlechter Charakterzug. Fußball-Schiedsrichter sollten sich damit allerdings eher zurückhalten. Nicht nur Martina Voss-Tecklenburg, Trainerin des FCR 2001 Duisburg, hatte am Samstag beim Spiel gegen Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Saarbrücken nämlich das Gefühl, dass die Unparteiische Moiken Reichert es mit ihren Sympathiekundgebungen etwas übertrieb: Die Pfiffe in der Schlussphase hatten einen nicht geringen Anteil daran, dass die Hüttenheimerinnen nicht über ein 1:1 (0:1) hinauskamen. Und folglich auch daran, dass sie die Spitze an Turbine Potsdam abgeben mussten, denn der Meister zog durch das 4:1 über den 1. FFC Frankfurt am FCR vorbei.
Stadionsprecher Andreas Schumann hatte es nach dem Abpfiff schwer, akustisch gegen die Missfallenskundgebungen der knapp 800 Zuschauer anzukämpfen. „Seid fair, ein Punkt ist besser als kein Punkt” – dieser Versuch, die Wogen zu glätten, schlug erwartungsgemäß fehl. Zwei nicht gegebene Elfmeter nach Fouls an Turid Knaak und Simone Laudehr, ein Tor von letzterer, das wegen einer vermeintlichen Abseitsposition keine Anerkennung fand und schließlich eine Kapitänin Inka Grings, die nach diesen Entscheidungen ihrem Ärger bei der Unparteiischen Luft machte und dafür drei Minuten vor Schluss die gelb-rote Karte sah – das war Moiken Reicherts Bilanz. „Total überzogen” war die Ampelkarte gegen ihre Torjägerin dann auch für Martina Voss-Tecklenburg.
Alles hat aber seine zwei Seiten – in diesem Fall die erste Halbzeit, in der die Gastgeberinnen weit unter ihren Möglichkeiten blieben, kaum echte Chancen erspielten und nach einem Konter das 0:1 durch Cynthia Uwak kassierten. Daran, dass Femke Maes und Annemieke Kiesel fehlten, kann das allein nicht gelegen haben, genausowenig an einem Gegner, der sich mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln wehrte – wohl eher aber an der Einstellung, die erst nach dem Seitenwechsel stimmte. Als Alexandra Popp nach einer Stunde in die Spitze aufrückte, war dies ein Signal zur Wende; ein Foul an ihr von Ann-Katrin Schinkel führte dann wenigstens einmal zum fälligen Elfmeter und zum Ausgleich durch Inka Grings. Auch ohne weiteren Pfiff wäre noch mehr möglich gewesen, doch das verhinderte FCS-Keeperin Barbara Legrand in der Schlussminute per Fußparade gegen Luisa Wensing.
22.11.2009, Thomas Kristaniak