OB Sauerland sortiert die Sozis aus
Es rumort kräftig im Rathaus: Das Stühlerücken hat begonnen. Mit der Transparenz, die OB Sauerland angekündigt hatte, ist es vorbei. Foto: WAZ, Mangen Musste gehen: Ex-ARGE-Geschäftsführer Peter Scheffler.
Von Transparenz ist längst nichts mehr zu spüren. Steuerzahler müssen für Personalentscheidungen kräftig ins Portemonnaie langen. Dem eigenen Büroleiter das Vertrauen entzogen
Als strahlender Sieger der Stichwahl gegen Bärbel Zieling hatte Oberbürgermeister Adolf Sauerland den Bürgern nach dem 10. Oktober 2004 mehr Transparenz in einem freundlichen Rathaus versprochen. Tatsächlich hat sich der Umgangston auch geändert. Der neue Stil sollte sich auch politisch bemerkbar machen. So versprach der neue Verwaltungschef auch, die Gesichter in roten Führungsetagen nicht schwarz runderneuern zu lassen.
Der OB gilt als zwar als harmoniebedürftig, zeigt aber auch seine Hartnäckigkeit, wenn es um die Umsetzung seiner Ziele geht. Längst jedoch mischen sich Misstöne in einst harmonische Klänge. Und die Strategie, auch Mitarbeiter mit SPD-Parteibuch als loyale Mitstreiter zu sehen, hat Adolf Sauerland mittlerweile aufgegeben. Der Druck der schwarz/grünen Fraktionen, die immer wieder rote Feindbilder entdeckten, wurde zu stark.
Das erste Opfer war der ehemalige Stadtdirektor Jürgen C. Brandt, dessen Loyalität der OB zwar schätzte, die Unterstützung für ihn aber dennoch verwehrte. Mehrere einhunderttausend Euro kostet die Stadt die Nichtwiederwahl.
Mit Personalamtsleiter Otto Weber wurde im letzten Jahr ebenfalls ein Genosse in Altersteilzeit geschickt, zunächst kommissarisch ersetzt durch Wunschkandidat Dr. Thomas Lambertz. Der ist Leiter des Instituts für Aus- und Fortbildung.
Auch für den Abschied von Jürgen Kreitz als kaufmännischer Chef der Wirtschaftsbetriebe dürfen Steuerzahler kräftig bluten. Er wird weiter bezahlt, darf aber nicht arbeiten. Er ging vorzeitig, nicht ohne vom OB für sein "langjähriges, herausragendes Engagement" weggelobt worden zu sein. Dass er das falsche Parteibuch besitzt, hat auch der oberste Stadtentwickler Martin Linne gespürt. Nicht der Experte, sondern Rechtsdezernent Wolfgang Rabe ist kommissarischer Geschäftsführer der Innenhafengesellschaft. Sir Norman Foster dürfte sich heute bei Vorstellung des Masterplans auf ein Gespräch mit dem neuen Entwicklungs-Experten freuen.
Bei der ARGE war´s erst das System, das der OB für schlechte Ergebnisse verantwortlich machte, dann fand er in Geschäftsführer Peter Scheffler den Sündenbock. Er ging. Der Mann von nebenan, Agenturchef Norbert Maul, soll Donnerstag im Personalausschuss als Nachfolger präsentiert werden. Mit üppiger Dotierung. Als einziger Amtsleiter soll er einen Dienstwagen gestellt bekommen und nach Besoldungsgruppe B 4 (6 412 E ohne Zulagen) bezahlt werden. Das entspräche dem Gehalt eines Oberbürgermeisters einer Stadt über 30 000 Einwohner. Üblich sind B 2 (700 E weniger) oder nur A 16 (930 E weniger).
Völlig frustriert ist der Leiter des Ratsbüros, Dieter Pollock. Dem loyalen Beamten, der den Verwaltungsapparat seit Jahrzehnten wie kein anderer kennt, entzog der OB das Vertrauen. Er muss wie auch Pressechef Frank Kopatschek draußen bleiben, wenn die Verwaltungsspitze inklusive aller Dezernenten einmal wöchentlich tagt.
Noch keine Glanzlichter setzten die CDU-Neulinge im Rathaus. Das Auffallendste bei Kulturdezernent Karl Janssen ist neben seiner Reiselust sein eigens kreierter Briefkopf, auf feinem Büttenpapier platziert."Dank für herausragendes Engagement"
quelle: WAZ vom 26.02.2007 Von Klaus Johann
Was soll man dazu sagen?
Aus Sicht eines "Sozis":
Der OB schmeist alle unsere Leute raus, aber wir werden den Betriebsunfall der letzten Wahl 2009 heilen. "Egal wen die Schwarzen in welche Position hiefen - wir schicken die nach Hause" (O-Ton Herr Bischoff im Rat).
Aus Sicht eines "Schwarzen":
Endlich ändert sich etwas.
Aus Sicht des Wählers:
Was haben die Abgesetzten eigentlich bislang seit der Wahl unter dem neuen "Chef" wirklich GELEISTET ? Und welche Chance hatten die "Neuen" bislang sich zu profilieren und Akzente zu setzen?
Aus Sicht des Zeitungslesers:
Seltsam, dass die Presse immer sofort einen Verrat wittert....und nicht parteipolitisch neutral berichtetf.
persönlich:
Aus meiner Sicht ist es das Recht des "Firmenchefs" seine engsten Mitarbeiter frei zu wählen und auf loyale Vertraute zu setzen - das ist in der freien Wirtschaft gang und gäbe.
Und wenn nach 45 Jahren rotem Rathaus die sogenannten "Spitzenbeamten" ausgetauscht werden gegen parteipolitisch "anders Gefärbte" sollte man das akzeptieren. Ist ja nicht von ungefähr so gekommen, dass der OB im engeren Führungszirkel des Rathaus (in der Ebene unterhalb der Dezernenten) nur einen einzigen Mitarbeiter mit einem CDU-Parteibuch hat.