Wenn der Stadionsprecher am Samstag vor dem so wichtigen Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern die Mannschaftsaufstellung der Zebras verliest, dann kann es passieren, dass die Fans beim Rufen der Nachnamen schon mal ins Stottern geraten. Auf der Hand liegender Grund: Es gibt jede Menge neue Kicker im Zebrastall.
Die Anhänger besonders auf der Nordkurve müssen dann nicht nur „Ta-ra-rache“ schreien, sondern auch „Calidschuri“ - so spricht man den Namen des Ex-Stuttgarter Caligiuri aus - vielleicht auch „Eigün“ (für den neuen Hachinger Abwehrmann Necat Aygün) und womöglich zudem „Sverkosch“ (für Vaclav Sverkos, der wohl von Mönchengladbach ausgeliehen wird). Vergleichsweise einfach wäre der Nachname des koreanischen Volkshelden Ahn, aber ob der spielen wird gegen die einstmals als Rote Teufel gefürchteten Pfälzer wird sich erst noch erweisen müssen.
Es ist schon erstaunlich, was Jürgen Kohler in Harmonie mit Walter Hellmich alles bewegt hat an personellen Veränderungen. Man darf davon ausgehen, dass Kohler Bedingungen gestellt hat für seinen Einstieg als Trainer-Novize in der Eliteliga. Personelles Nachrüsten als Priorität. Beim Durchchecken des Kaders zunächst per Video, dann auf dem Übungsplatz, werden Defizite kaum unübersehbar gewesen sein. Was im Sommer scheinbar nicht möglich war, ist aktuell nun drin.
Portogeld für Caligiuri und Ahn
Tararache und Aygün haben zusammen mehr als eine Million Euro gekostet, dagegen waren die Gebühren für Caligiuri und Ahn vergleichsweise Portogeld. Aber wesentlich war, dass die Mannschaft sportlich verstärkt ins Rennen gegangen ist. Schon in Stuttgart machten sich Tararache und Caligiuri bezahlt. Zwar wurden im Daimlerstadion ganz schnell alte (Abwehr-) Schwächen offenbar, aber der VfB nutzte sie nicht. Das nackte Ergebnis zählte.
Wenn jetzt Aygün in der Defensive zusätzlich stabilisiert, kann sich der Abwehrblock gewiss sehen lassen. Erste Trainer-Bedingung erfüllt. Dass es vorne gefährlicher werden soll, dafür könnte Vaclav Sverkos sorgen. In Gladbach ist der Tscheche als sehr tauglich befunden worden, fiel aber wegen einer privat tragischen Geschichte ein wenig aus dem Gleichgewicht. In einem anderen Umfeld, so heißt es bei der Borussia, wird er sich wieder fangen und zu robuster Leistung finden.
Wenn es also klappt mit dem Ausleihgeschäft, dann wäre der personelle Zuschlag beendet. Wie gesagt, im Sommer wäre manches einfacher gewesen und vor allem billiger. Aber Fehlern nachzuweinen hieße Stillstand. Das jetzt investierte Geld könnte sich bei einem Klassenerhalt und mehr Fernsehgeld in der kommenden Saison allein schon rechnen. Einher geht vielleicht ein großes Risiko, aber Walter Hellmich ist bereit es einzugehen. Es gilt eben nur eins: Die Klasse erhalten, im Kreis der Elite bleiben. Und dies mit aller Macht.
RP-Online